70er Jahre Modenschau und Themenkeller
Tausche Urlaubsplatz gegen Studienplatz
Unzweifelhaft waren die Studienbedingungen an der Fachschule für angewandte Kunst (FAK) Heiligendamm außergewöhnlich. So konnte der Studienalltag durchaus mit einem Bad im Meer oder einem Gang durch den taufeuchten Wald beginnen. Aber auch die persönlichen Arbeitsplätze in den Designbüros und Werkstätten, wie das gemeinsame Wohnen auf dem Fachschulgelände waren wohl einzigartige Grundlagen für kreative Studienbedingungen.
Das studentische Schlaraffenland ist mit einem Treffen aller Absolventen am 09. bis 11. Juni 2000 entgültig untergegangen. Der Fachbereich Design/Innenarchitektur der Fachhochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Wismar zog auf das Gelände der Hochschule in Wismar.
In den vergangenen 50 Jahren absolvierten ca. 1500 Studenten die Schule in Heiligendamm. Seit 1949 wurden hier Innenarchitekten, Möbeldesigner, Produktdesigner, Grafikdesigner und Schmuckdesigner ausgebildet. Das Studium als Auftrag der Arbeiterklasse, Slogan der DDR in der Aufbaustimmung der Nachkriegszeit, brachte dennoch viele innovative Ergebnisse hervor, die durchaus einem internationalen Vergleich standhielten.
Der fast dörflichen Abgeschiedenheit und familiären Atmosphäre an der Schule, unbedingt aber dem diplomatischen Geschick einzelner leitender Professoren, ist es auch zu verdanken, das hier unter DDR - Verhältnissen kleine politische Freiräume möglich waren die andere Studieneinrichtungen in dieser Zeit nicht hatten. Die legendären Seifenkistenrennen, Faschings- und Drachenfeste waren über die regionalen Grenzen hinaus bekannt.
Die damals notwendige abgeschlossene Berufsausbildung vor dem Studienbeginn brachte sehr praxisorientierte Absolventen hervor, die in der Industrieproduktion und in den Planungsbüros gefragt waren. Der Wandel zu einer eher entwurfsorientierten Ausbildung kam mit der (heute üblichen) direkten Aufnahme von Schulabgängern in das Studium.
Wie kreativ anregend das Umfeld der technischen Hochschule in Wismar auf die zukünftigen Innenarchitekten und Designer wirkt wird sich zeigen.




